Nun ist dem nicht so, dass ich ein besonders ausgeprägtes Verlangen nach dem Schließen neuer Freundschaften, für mich verbuche. Eher das Gegenteil ist der Fall. Ich bin sehr gut ausgestattet, was Wegbegleiter anbelangt – demnach ist es für mich weder selbstverständlich noch unbedingt notwendig, fremde Menschen in mein Leben zu lassen, geschweige denn, mit ebendiesen Freundschaften zu schließen. Auf der anderen Seite ist es auch für andere durchaus schwierig, mich wirklich kennen und ergo, mögen zu lernen. Verlasse ich meine heiligen Hallen ähnle ich eher einem Stinkstiefel als einer Göttin, in deren Glanz man sich gerne sonnt. Es kann durchaus vorkommen, dass ich in der Nähe mir unbekannter Bevölkerungsteilnehmer, nicht nur gelangweilt wirke, sondern es auch unglaublich schnell, wirklich bin. Auf der anderen Seite würde ich es aber durchaus in Betracht ziehen, mich wieder einmal zu verlieben, schon nur deshalb, weil ich mich selbst so mag, wenn mir dieses Gefühl innewohnt. Und zack – schon wieder eines der zahlreichen Dilemmas, welche sich in meinem Leben die Klinke in die Hand drücken, wie junge Ministranten in den privaten Gemächern des Vatikans. Meine Freunde können durchaus mit denen des zugekifften Joe Cockers in Woodstock mithalten. Durch deren zwangsmotivierenden Zuspruch und den teils komplett widersprüchlichen Rat-Schlägen ging ich in die Knie. Ich hatte ein Date.
Bin ich eigentlich so gar nicht der nervöse Typ, änderte die Tatsache, dass ich mich mit einem wildfremden Typen treffen würde, mein Gemüt. So richtig nervenaufreibend wurde die Gesamtsituation zwei Stunden vor dem vermeintlichen Date. Ich fühlte mich, wie vor einem Fallschirmsprung, war mir aber schon von vornherein ziemlich sicher, dass dieser Akt eher nicht mit einem Endorphin-Schub enden würde. Was sollte ich anziehen? Müsste ich mich schminken? Was, um Himmels Willen sollte ich mit dem Typen reden? Was erzähle ich ihm von mir? Was wenn alles Scheiße läuft? Was, wenn er mich langweilig findet, oder schlimmer noch, was, wenn ich ihn langweilig finde?
Während ich mich in die bereits dritte Jeans zwängte, stellte ich einigermaßen schockiert fest, dass ich komplett keinen Schimmer habe, wie man flirtet. Ich hatte das volle Repertoire schon mal drauf, dies begab sich aber zu der Zeit, als Dinosaurier... Ach, lassen wir das! Mittlerweile ähnelt mein „erotischer Augenaufschlag“ eher einem genervten Augenrollen oder einem sich anbahnenden Schlaganfall. Ich spielte mehrmals mit dem Gedanken, einfach abzusagen.