Das Lied „Tirol“ geht derzeit durch die Decke. Und das, obwohl der Song bereits 13 Jahre alt ist. Seinen zweiten Frühling verdankt er ausgerechnet TikTok, wo junge User den Song ironisch, halb ernst, halb meme-tauglich wiederentdeckt haben. Der Mann mit dem weißen Käppi wurde plötzlich wieder cool – zumindest für ein paar Sekunden Scrollzeit. Doch TikTok war nicht der Anfang, sondern nur die Spitze des Eisbergs. Der eigentliche Hype begann schon früher, und zwar in einer Bubble, die wohl nicht nach dem “hantigen Bier” greifen würde: der Esoterik- und Verschwörungsszene.
Denn wie es im Schlagergeschäft nun mal so ist, handelt es sich bei „Tirol“ nicht um eine komplett neue Erfindung, sondern um ein Cover von „Down Under“ – jenem Song, der in gewissen Kreisen längst als inoffizielle Hymne der sogenannten Agartha-Fans gilt. Agartha, für alle Nicht-Eingeweihten, ist ein mystisches unterirdisches Königreich, in dem alles existieren soll, außer jeglichem Hausverstand. Und genau hier wird es interessant. Wusste Gerhard Friedle, wie DJ Ötzi bürgerlich heißt, wirklich nichts von dieser esoterischen Bedeutung, wie er später betonte? Oder wurde hier ganz bewusst ein Song gewählt, der bereits in alternativen Realitäten erfolgreich war? Hat sich jemand besonders tief in die Marketing-Knie gelegt, um nach „Ein Stern (…der deinen Namen trägt)“ endlich wieder einen Hit zu landen?
Was tatsächlich in DJ Ötzi’s Kopf vorging, bleibt unklar. Welche esoterische Community als Nächstes musikalisch abgeholt wird? Ob Scientology wohl auf „Über sieben Brücken musst du gehen“ aufmerksam wird? Bei beiden heißt es schließlich: erst leiden, dann Erlösung. Tja, wir wollen nicht schon die nächste Sekte aufhetzen - im Schlager ist schließlich alles möglich.


