Il Moccioso

Was wurde aus MC Rotzbua?

Es gibt Namen, die man jahrelang nicht hört – und sobald sie jemand erwähnt, ist plötzlich wieder alles da. MC Rotzbua. Oder auch: Il Moccioso. Wer in Südtirol irgendwann in den 2000ern oder frühen 2010ern unterwegs war, könnte jetzt zumindest irgendwo im Hinterkopf eine Schublade aufgehen hören. Und spätestens bei „In Da Pub“ dürfte es bei einigen klingeln.

Aber während manche Südtiroler Musiker irgendwann verschwanden und später mit neuem Projekt, neuem Namen oder Familienfoto auf Facebook wieder auftauchten, wurde es um MC Rotzbua irgendwann ziemlich ruhig. Also haben wir uns gefragt: Was wurde eigentlich aus MC Rotzbua?

Der Sterzinger machte bereits Anfang der 2000er Musik und war damit so etwas wie Südtiroler Dialektrap, bevor Südtiroler Dialektrap wirklich ein Ding war. Wobei Dialekt allein bei ihm nicht ganz stimmt: Rotzbua rappte auch auf Italienisch, produzierte selbst Beats und machte vor allem eines ziemlich gerne: provozieren.

Seine Texte waren derb, politisch alles andere als korrekt und mit einem Wortschatz ausgestattet, bei dem man relativ schnell wusste: Der Rotzbua hat das Fluchen nicht nur gelernt, sondern perfektioniert.

Einer seiner bekanntesten Tracks: „In Da Pub“. Ein Song, der Jahre später durch einen Remix von Narfos sogar noch einmal ein zweites Leben bekam. Und Rotzbua selbst? Der tauchte über die Jahre immer wieder auf, veröffentlichte Musik und war auch live unterwegs. 2020 erschien mit „A Fast One“ schließlich sein bislang letztes größeres Projekt. Danach wurde es ruhig. Sehr ruhig.
Wir haben gesucht. Alte Interviews gefunden, alte Videos ausgegraben und uns durch seine Musik gehört. Nur auf die wichtigste Frage haben wir keine richtige Antwort gefunden: Wo ist der Rotzbua heute und was macht er? Also bleibt uns eigentlich nur eine Möglichkeit. Wir stellen ein paar Theorien auf.

Theorie 1: Er ist Koch geworden

Fangen wir mit unserer wahrscheinlich stärksten Vermutung an. MC Rotzbua ist heute Koch. Beweise dafür haben wir exakt null. Aber wer sich dermaßen gut mit Flüchen auskennt und offensichtlich auch noch Freude daran hat, wäre für diesen Beruf einfach gemacht. Ein volles Restaurant. Drei Bons zu viel. Jemand hat die falsche Beilage angerichtet und am Pass wird es langsam hektisch. Wir sehen MC Rotzbua erstaunlich gut in diesem Job. Und das Beste: Mit Deutsch, Italienisch und Südtiroler Dialekt könnte er gleich die gesamte Küchenbrigade mehrsprachig zusammenschreien. Eigentlich eine Verschwendung, falls er nicht Koch geworden ist.

Theorie 2: Motivationstrainer

Vielleicht hat MC Rotzbua seine direkte Art aber auch einfach zum Beruf gemacht. Vielleicht ist er heute Motivationstrainer. Denn wenn jemand über Jahre bewiesen hat, dass ihm ziemlich egal ist, was andere von ihm denken, dann bringt er zumindest eine Grundvoraussetzung schon mal mit. Wir stellen uns das ungefähr so vor: 20 Führungskräfte sitzen im Seminarraum. Vorne steht MC Rotzbua. Auf der Leinwand: „GLAUB AN DICH.“ Was danach kommt, können wir aus Jugendschutzgründen leider nicht abdrucken. Aber eines ist sicher: Nach diesem Seminar traut sich vermutlich wirklich jeder alles. Ob aus Motivation oder Angst, sei dahingestellt.

Theorie 3: Werbetexter / Creative Director

Vielleicht hat er irgendwann gemerkt, dass man mit absurden Ideen und auffälligen Texten auch Geld verdienen kann. Heute sitzt er womöglich in einer Agentur und sagt bei jedem Brainstorming: „Des isch zu brav.“

Fazit

Nach über 20 Jahren Rotzbua-Geschichte verliert sich seine öffentliche Spur irgendwann. Und vielleicht ist das auch völlig okay. Vielleicht hat er die Musik einfach hinter sich gelassen, vielleicht macht er heute etwas komplett anderes – oder vielleicht sitzt er gerade irgendwo und lacht darüber, was wir ihm hier alles für Berufe angedichtet haben.

Aber Südtirol wäre nicht Südtirol, wenn nicht irgendjemand jemanden kennen würde, der jemanden kennt. Deshalb seid jetzt ihr dran: Was wurde wirklich aus MC Rotzbua? Und falls du das hier zufällig selbst liest, Rotzbua: Meld di. Wir würden die Geschichte gerne richtig zu Ende erzählen.