Die wildeste Weltmeisterschaft ever

Das war die WM 2026

Nun ist die Weltmeisterschaft 2026 in Amerika vorbei. Endlich, könnte man fast sagen. Denn während andere Weltmeisterschaften für Gänsehaut, Legenden und emotionale Momente gesorgt haben, war diese WM vor allem von drei Dingen geprägt: Chaos. Verwirrung. Und natürlich einer unfassbaren Menge Geld. Denn wenn die FIFA eines besser kann als Fußball organisieren, dann ist es, neue Möglichkeiten zu finden, irgendwo noch eine zusätzliche Werbefläche unterzubringen.

Wir blicken deshalb zurück auf die vermutlich schrägste Weltmeisterschaft der Geschichte und schauen uns die Momente an, bei denen selbst Menschen, die seit 30 Jahren Fußball schauen, kurz den Fernseher angeschaut und sich gedacht haben: "Hä?"

Hydration Break

Bevor wir überhaupt über Fußball sprechen, müssen wir zuerst über die wichtigste Neuerung dieser WM reden: Die Pause in der Pause. Oder offiziell: Hydration Break. Erstmals wurde bei dieser WM in jeder Halbzeit eine zusätzliche Trinkpause eingeführt. Ganze drei Minuten lang konnten die Spieler Wasser trinken, durchatmen und sich sammeln. Die offizielle Begründung: Die Hitze. Eine durchaus nachvollziehbare Erklärung. Zumindest bis man festgestellt hat, dass die Hälfte der Spiele in klimatisierten Stadien stattfand, in denen es wahrscheinlich kühler war als im Büro der FIFA-Funktionäre.

Viel wichtiger war wahrscheinlich ohnehin etwas anderes: Die Zuschauer zuhause. Denn die sollten schließlich nicht sehen, wie Erling Haaland sein Wasser hinunter zischt. Nein. Sie sollten vor allem Werbung sehen. Denn drei Minuten zusätzliche Pause bedeuten vor allem eines: Noch mehr Werbung. Noch mehr Sponsoren. Noch mehr Möglichkeiten, uns zu erklären, warum genau dieses Wasser, diese Chips oder diese Versicherung jetzt plötzlich offizieller Partner der FIFA sind. Oder welche auch nicht.

Dazu kommen wir jetzt.

Keine Werbung ist auch eine Werbung

Denn auch wenn in so einem Stadion bereits Werbeflächen im Wert von mehreren Milliarden Dollar herumstehen, genügt das der FIFA offenbar noch lange nicht. So etwas muss man sich schließlich verdienen. Oder besser gesagt: bezahlen. Deshalb wurden bei der WM sämtliche Marken, die keinen offiziellen Sponsorenvertrag mit der FIFA hatten, verdeckt, überklebt oder gleich komplett zensiert. Egal wo und egal wie.

So musste beispielsweise das Levi's Stadium kurzerhand seinen Namen verlieren, weil Levi's kein offizieller Partner der FIFA war. Blöd nur: Levi's hat das Ganze kurzerhand für die eigene Werbung genutzt und es trotzdem geschafft, dass jeder wusste, wer eigentlich gemeint war.

Noch schöner wurde es bei Heinz Ketchup. Auch deren Produkte wurden im Stadion überklebt, weil auch Heinz nicht zum exklusiven Sponsorenkreis gehörte. Die Antwort der Firma ließ nicht lange auf sich warten. Mit der Kampagne: "It has to be..." wusste plötzlich jeder auf der Welt, welches Ketchup eigentlich unter dem Sticker versteckt war.

Und genau das beschreibt diese Weltmeisterschaft vermutlich am besten: Die FIFA wollte verhindern, dass über gewisse Marken gesprochen wird. Am Ende sprach die ganze Welt genau über diese Marken.

Jeder liebt Kap Verde's Torwart

Auch das stand definitiv nicht auf unserer Bingo-Karte dieser WM. Denn der Torhüter von Kap Verde, Vozinha, hat während des Turniers vermutlich die verrückteste Karriereentwicklung überhaupt hingelegt. Nicht auf nur dem Platz. Sondern auch auf Instagram.

Beim Spiel gegen Brasilien zeigte der Schlussmann mehrere starke Paraden und brachte die brasilianischen Stürmer teilweise zur Verzweiflung. Der Kommentator hatte daraufhin eine Idee und rief die Zuschauer kurzerhand dazu auf, dem Torhüter auf Instagram zu folgen.

Und das Internet tat das, was das Internet eben so macht. Innerhalb weniger Tage explodierte seine Followerzahl von rund 10.000 auf über 15 Millionen. Ein paar gehaltene Bälle später hatte Vozinha plötzlich mehr Reichweite als so manches Land überhaupt Einwohner hat. Früher bekam man für eine gute WM vielleicht einen Vertrag bei einem größeren Verein. Heute bekommt man zusätzlich noch mehrere Millionen Follower, Werbeanfragen und wahrscheinlich Rabattcodes für Proteinpulver. Der moderne Fußball eben.

Die Trainer der Mannschaften

Bei dieser WM gab es nicht nur kuriose Spieler, sondern auch Trainer, die für Gesprächsstoff sorgten. Allen voran: Carlo Ancelotti. Der Italiener sollte Brasilien endlich wieder ganz nach vorne bringen. Dafür machte das Land etwas, das es zuvor noch nie getan hatte: Es holte mit Ancelotti den ersten ausländischen Trainer der Geschichte der brasilianischen Nationalmannschaft. Die Erwartungen waren riesig. Die Hoffnung ebenfalls.

Spätestens nach dem Aus gegen Norwegen wurde aber auch klar: Ganz vorne war dieses Mal früher Schluss als geplant. Das Kuriose daran? Ancelotti bleibt offenbar trotzdem Trainer der Seleção. Während in anderen Ländern nach so einem Turnier vermutlich sogar der Busfahrer seinen Job verlieren würde, darf Carlo weitermachen. Ob man es glaubt oder nicht.

Deutschlands frühes aus

Ein weiteres Spektakel dieser WM war das frühe Aus der deutschen Nationalmannschaft. Bereits im Sechzehntelfinale verabschiedete sich einer der Top-Favoriten gegen Paraguay aus dem Turnier. Nach einem 1:1 nach 120 Minuten musste das Elfmeterschießen entscheiden. Dort behielten die Paraguayaner mit 4:3 die Nerven, während Jonathan Tah seinen Elfmeter vergab. Die Enttäuschung war dementsprechend riesig. Nicht nur wegen des frühen Ausscheidens, sondern auch, weil die letzten Weltmeisterschaften für Deutschland ohnehin schon eher unter der Kategorie "kann man mal vergessen" liefen. Schließlich war bereits 2018 und 2022 nach der Gruppenphase Schluss. Deutschland hat es also geschafft, sich sportlich zu steigern. Dieses Mal ging es immerhin bis ins Sechzehntelfinale.

VAR war auch dabei

Natürlich durfte bei dieser WM auch der VAR nicht fehlen. Und der hatte teilweise mehr Ballkontakte als manche Stürmer. Tore wurden zurückgenommen, Karten nachträglich verteilt und Entscheidungen so lange überprüft, bis gefühlt niemand mehr wusste, was ursprünglich eigentlich gepfiffen worden war.

Besonders kurios wurde es bei Folarin Balogun. Der US-Stürmer sah nach VAR-Einsatz die Rote Karte. Danach wurde seine Sperre allerdings ausgesetzt, wodurch er im nächsten Spiel trotzdem auflaufen durfte. Eine Entscheidung, die nicht nur für Diskussionen sorgte, sondern auch die Frage aufwarf, ob eine Rote Karte inzwischen eher als unverbindliche Empfehlung gilt.

Auch sonst wurde fleißig korrigiert. Millimeter-Abseits, zurückgenommene Tore und Szenen, bei denen fünf Wiederholungen später immer noch zwei völlig unterschiedliche Meinungen herauskamen. Beim Viertelfinale zwischen Argentinien und der Schweiz wurde sogar eine Karte gegen Leandro Paredes zurückgenommen und stattdessen Breel Embolo wegen einer angeblichen Schwalbe verwarnt. Blöd nur, dass Embolo bereits Gelb hatte und deshalb vom Platz musste.

Der VAR sollte eigentlich für Klarheit sorgen. Geschafft hat er vor allem eines: Jeder konnte sich nach dem Spiel noch sicherer sein, dass der Schiedsrichter gegen die eigene Mannschaft war. Fußball verbindet eben. Vor allem in der gemeinsamen Wut auf den Bildschirm.

Fazit

Am Ende wird auch diese Weltmeisterschaft in Erinnerung bleiben. Vielleicht nicht wegen des schönsten Fußballs oder der größten Überraschungen auf dem Platz, sondern wegen allem, was rundherum passiert ist. Werbung zwischen der Werbung, Pausen zwischen den Pausen und Diskussionen über Entscheidungen, die wahrscheinlich noch in zehn Jahren Stammtischthema sein werden. Und vielleicht ist genau das die größte Stärke des Fußballs. Egal ob man jubelt, schimpft, diskutiert oder den Fernseher anschreit – am Ende schauen doch wieder alle zu.

Was passiert also bei der nächsten WM? Werden weitere Pausen eingeführt, damit auch die VAR ihre Pausen bekommen? Welche Mannschaften werden nächste WM gegen den Top Vereinen gewinnen? Und die wichtigste Frage: Wird Italien die nächste WM endlich wieder mal dabei sein?!


Die WM 2026 ist vorbei. Die Diskussionen darüber wahrscheinlich noch lange nicht.

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