So entsteht Fussballgeschichte

die legendärsten WM Momente

Alle vier Jahre ist es wieder so weit. Plötzlich werden Freundschaften beendet, Familien diskutieren am Esstisch und Menschen, die sonst keinen einzigen Fußball schauen, wissen auf einmal ganz genau, wer spielen sollte und wer nicht. Die Fußball-Weltmeisterschaft ist zurück. Und ja, natürlich geht es um Titel, Pokale und Millionen. Aber seien wir ehrlich: Für die meisten Menschen geht es um etwas ganz anderes. Es geht um Public Viewings, Bierchen mit Freunden, gemeinsame Jubelschreie und darum, dass plötzlich ganze Länder dieselben 90 Minuten erleben.

Kaum ein anderes Ereignis schafft es, so viele Menschen gleichzeitig vor einen Bildschirm zu bringen. Und genau deshalb schreibt die WM immer wieder Geschichten, die man nie vergisst. Nicht unbedingt die schönsten Tore. Nicht unbedingt die besten Mannschaften. Sondern die Momente, bei denen die ganze Welt kurz stehen geblieben ist.

Und genau deshalb haben wir die legendärsten Momente der FIFA-Geschichte noch einmal herausgekramt. Okeyyy. Let's go.

Nr. 1 : Jogi Löw

Wir beginnen mit einem echten Klassiker der deutschen Fußballgeschichte. Bei der EM 2016 sorgte Bundestrainer Jogi Löw nämlich für Schlagzeilen, die man so nicht trainieren kann. Während Millionen Menschen auf das Spiel schauten, schien Jogi auf einer ganz eigenen Mission zu sein. Erst ging die Hand auf Erkundungstour Richtung Untergeschoss, anschließend folgte eine ausführliche Qualitätskontrolle per Nase. Manche Trainer analysieren Gegner. Jogi analysierte Aromen. Das Fernsehen war live dabei. Das Internet ebenfalls. Und innerhalb weniger Minuten war Deutschland nicht mehr wegen seiner Taktik Gesprächsthema Nummer eins.

Als wäre das nicht genug gewesen, wurde er wenig später auch noch beim Nasenbohren erwischt. Man könnte also sagen: Jogi arbeitete an mehreren Fronten gleichzeitig. Besonders verteidigt wurde er damals von Lukas Podolski. Der meinte, dass 80 Prozent aller Männer so etwas machen würden. Wenn das so ist, würden ca 18 Spieler auf dem Feld nicht den Ball, sondern die Eier angreifen.....

Fest steht: Jogi hat einen ausgezeichneten Riecher für Aufmerksamkeit.

Nr. 2: Maradona's Show

Die Nummer 2 unserer Liste hat mehr Höhen und Tiefen als die Karriere eines durchschnittlichen Reality-TV-Stars. Wir schreiben das Jahr 2018. WM in Russland. Argentinien steht im entscheidenden Gruppenspiel gegen Nigeria massiv unter Druck. Das Spiel? Spannend. Die Stimmung? Angespannt. Diego Maradona? Komplett auf einem anderen Planeten und das weiße Pulver vermutlich nah an seiner Seite.

Die argentinische Legende wurde nämlich gefühlt öfter eingeblendet als manche Spieler auf dem Platz. Als Nigeria ein Tor erzielt, reagiert Maradona gewohnt diplomatisch und schickt dem Gegner kurzerhand den Mittelfinger entgegen. Wenige Minuten später schießt Argentinien das erlösende 2:1. Und während ganz Argentinien jubelt, entscheidet sich Diego für den direkten Draht nach oben. Arme hoch, Blick gen Himmel und ein Gebet an Gott höchst persönlich. Doch wie jeder gute Rausch hatte auch dieser Nebenwirkungen. Denn kurz darauf wirkte Maradona plötzlich so müde, als hätte er selbst 120 Minuten gespielt. Während ganz Argentinien um den Sieg zitterte, kämpfte Diego vor allem gegen seine eigenen Augenlider.

Am Ende musste er sogar medizinisch betreut werden. Und genau deshalb bleibt dieser Auftritt bis heute legendär. Denn kaum jemand hat die Emotionen eines Fußballspiels so intensiv erlebt wie Diego Maradona. Und kaum jemand hat den Ablauf eines Rausches so perfekt dargestellt wie er.

Nr. 3: Rijkaard spuckt Völler an

Wir schreiben das Jahr 1990. Deutschland gegen die Niederlande. Ein Spiel, das ungefähr so viel Harmonie ausstrahlte wie eine Familienfeier nach drei Flaschen Wein und einer Diskussion über Politik. Mittendrin: Rudi Völler und Frank Rijkaard. Nach einem Gerangel beschließt Rijkaard nämlich, eine Fähigkeit einzusetzen, die normalerweise eher Lamas vorbehalten ist. Er spuckt Rudi Völler kurzerhand auf dem Vokuhila - welcher mit der Frisur seiner Zeit voraus war. Die Schiedsrichter sahen nichts. Wobei man fairerweise sagen muss: Der Klachel hing vermutlich noch zehn Minuten später in Völlers Locken fest. Als wäre das nicht genug gewesen, trafen die beiden wenig später erneut aufeinander. Und es folgte kurzerhand die zweite Ladung direkt hinterher. Man könnte sagen: Rijkaard hatte damals nicht nur eine große Klappe, sondern auch eine erstaunliche Trefferquote. Ob er auf Völler's Harrpracht zu eifersüchtig war?

Auf alle Fälle gingen die Bilder um die ganze Welt und machten das Duell zu einem der legendärsten und gleichzeitig feuchtesten Momente der Fußballgeschichte. Bis heute weiß niemand genau, was schlimmer war: Die rote Karte, die Spucke oder die Tatsache, dass Millionen Menschen das Ganze live beim Abendessen ansehen mussten.

Noch legendärer wurde die Geschichte allerdings Jahre später. Denn die beiden vertrugen sich wieder und drehten gemeinsam einen Werbespot für eine Buttermarke. Vom Spucken zum Schlucken.

Fest steht: Während andere Spieler Trikots tauschten, hinterließ Rijkaard etwas ganz anderes auf Rudi Völler. Und der wurde an diesem Tag unfreiwillig zur bekanntesten Zielscheibe der Fußballgeschichte.

Nr. 4: Zidane's bekannteste Kopfball

Jeder Spieler träumt von einem perfekten Karriereende. Ein letztes Spiel. Ein letztes Tor. Ein letzter Pokal. Zinedine Zidane hatte offenbar andere Pläne. Wir schreiben das Jahr 2006. WM-Finale. Frankreich gegen Italien. Die ganze Welt schaut zu. Millionen Menschen sitzen vor dem Fernseher. Es ist das letzte Spiel der Karriere eines der größten Fußballspieler aller Zeiten.

Und dann passierte es. Nach einem kurzen Wortwechsel mit Marco Materazzi entscheidet sich Zidane spontan dazu, seine Fähigkeiten neu zu interpretieren. Statt den Ball mit dem Kopf zu spielen, spielt er kurzerhand Materazzi. Mit voller Geschwindigkeit in den Brustkorb.

Die Zuschauer waren sprachlos. Die Kommentatoren auch. Nur Zidane wirkte relativ entspannt.
Der Schiedsrichter hatte die Szene zunächst gar nicht gesehen. Doch nachdem halb Italien reklamiert hatte und vermutlich auch die Kameraleute mit dem Finger auf den Bildschirm zeigten, folgte die rote Karte.

Und so endete die Karriere eines der größten Fußballspieler aller Zeiten. Nicht mit einem Tor. Nicht mit einem Pokal. Sondern mit dem wahrscheinlich berühmtesten Kopfstoß der Sportgeschichte.
Bis heute diskutieren Fans darüber, was Materazzi damals eigentlich gesagt hat. Die genaue Wahrheit kennt vermutlich nur einer der beiden. Es war wohl der legendärste Abgang der Fußballgeschichte.

Nr. 5: Es regnet Geld bei Sepp Blatter

Nicht jeder legendäre WM-Moment findet auf dem Fußballplatz statt. Manche passieren direkt darüber. Wir schreiben das Jahr 2015. FIFA-Präsident Sepp Blatter sitzt gemütlich auf einer Pressekonferenz. Die Stimmung ist angespannt, Korruptionsvorwürfe fliegen der FIFA damals ungefähr so häufig um die Ohren wie Fehlpässe in der Amateurliga.

Und dann passiert es. Der britische Comedian Simon Brodkin marschiert plötzlich auf die Bühne und verteilt vor Blatter einen Stapel falscher Geldscheine. Mit den Worten: „Das ist für die WM 2026 in Nordkorea.“ Plötzlich regnet es Geld. Während die Sicherheitskräfte nicht genau wussten, ob sie lachen oder eingreifen sollten, saß Sepp Blatter da und schaute ungefähr so überrascht wie ein Schüler, der beim Abschreiben erwischt wurde.

Das Internet liebte die Aktion. Schließlich gab es damals kaum jemanden, der die FIFA nicht mit Geld, Korruption und dubiosen Entscheidungen verband. Und genau deshalb ließ die Aktion die ganze Welt aufhorchen und lachen. Besonders ironisch: Von allen Geldsummen, die damals im Zusammenhang mit der FIFA diskutiert wurden, waren das vermutlich die einzigen Scheine, die nachweislich auf dem Tisch lagen.

Ein Moment, der immer in Erinnerung bleibt und selten hat Geld bei einer FIFA-Veranstaltung so offensichtlich auf dem Tisch gelegen.

Nr. 6: Curcao's Schulbus

Nicht jede Nation schreibt WM-Geschichte mit Toren. Manche schaffen es schon bei der Anreise. Willkommen bei Curaçao. Während Nationen wie Deutschland, Brasilien oder Frankreich mit Millionenbudgets, Luxus-Hotels und Hightech-Ausstattung zur diesjährigen WM anreisen, sorgte Curaçao mit etwas ganz anderem für Schlagzeilen. Mit ihrem Mannschaftsbus.

Denn dieser sah weniger nach „Wir holen den WM-Titel“ aus und mehr nach „Der Betriebsausflug der örtlichen Feuerwehr startet in fünf Minuten“. Das Internet war begeistert. Zwischen all den perfekt durchgeplanten Marketingkampagnen und Hochglanz-Auftritten wirkte der Bus von Curaçao fast schon sympathisch normal. Kein Luxusliner. Kein rollendes Raumschiff. Einfach ein Bus. Und genau deshalb wurde er gefeiert.

Denn während andere Nationen Millionen in ihre Infrastruktur stecken, investierte Curaçao offenbar lieber in die wirklich wichtigen Dinge: Fußbälle. Gute Laune. Und vermutlich den einen oder anderen Rum-Cola. Am Ende zeigte die Mannschaft damit etwas, das bei Weltmeisterschaften oft verloren geht: Nicht jede Nation fährt zur WM, um sie zu gewinnen. Manche fahren einfach hin, genießen die Reise und werden genau deshalb zu Legenden. Und so glückliche Fans , bei einem 7:1 gegen Deutschland, haben wir ehrlich gesagt selten gesehen. Da können sich die Brasilianer definitiv eine Scheibe von abschneiden.

Und genau deshalb lieben wir die Weltmeisterschaft. Nicht wegen der Taktik. Nicht wegen der Pressekonferenzen. Und oft nicht einmal wegen des Fußballs selbst. Sondern wegen der Geschichten, die nur eine WM schreiben kann.Wo sonst sieht man einen Bundestrainer beim öffentlichen Schnüffeltest, Diego Maradona auf einer emotionalen Achterbahnfahrt, einen Spieler, der seinem Gegner ins Haar spuckt, einen Weltstar, der sein Karriereende mit einem Kopfstoß feiert, einen FIFA-Präsidenten unter Geldregen sitzt und eine Nation, deren Mannschaftsbus fast berühmter wird als die Mannschaft selbst? Die Weltmeisterschaft ist eben mehr als nur 22 Leute, die einem Ball hinterherlaufen. Und genau deshalb werden auch bei dieser WM wieder Momente entstehen, über die wir in zehn Jahren noch lachen, diskutieren oder den Kopf schütteln werden.

Die einzige Frage ist also: Welcher Moment wird der nächste legendäre WM-Moment?