Sprachnachricht, Emoji-Eskalation oder der „Daumen nach oben“

Wer schreibt wie?

Spricht man in einer Runde über die Frage, wie unterschiedliche Menschen auf WhatsApp-Nachrichten antworten, muss man gezwungenermaßen auf Stereotype zurückgreifen. Damit stoßen wir alle meist auf Verständnis, denn es scheint so, als würden die Stile, in denen verschiedene Menschengruppen schreiben, von jemandem vorgegeben werden.

Warnung: Jegliche Erwähnung von Alter und Geschlecht soll euch nicht verletzen oder alt fühlen lassen.

Mamas und Omas

Der Schreibstil von Frauen, die vor 1985 geboren sind, bleibt einem häufig im Kopf. Denn Nachrichten sämtlicher Art gleichen einem Emoji-Massaker. Jede Aussage wird mit einem Emoji geschmückt und für die Suche nach dem wirklich passenden wird bis zum bitteren Ende gescrollt. Diesen Mitbürgerinnen ist es egal, ob man sich normalerweise im Südtiroler Dialekt unterhält: Auf WhatsApp wird nur im klassischen Hochdeutsch geschrieben. Die Länge der Texte beschränkt sich selten auf nur zwei oder drei Zeilen. Viel beliebter ist die Art von Nachricht, bei der man, um bis zum Ende zu kommen, auf „Mehr lesen“ klicken muss, weil: wenn schon denn schon!

Tatas

Berühmt und berüchtigt ist auch die klassische Antwort unserer Tatas ü40. Es existieren schon unendliche Memes und man muss es so sagen: Der „Daumen nach oben“ als Antwort schaut oft böse aus, doch ist wirklich nicht so gemeint. Es gibt verschiedenste Gründe, warum Väter so häufig zum schnellen „Daumen nach oben“ Emoji greifen. Es liegt am Stress, der puren Unlust ins Handy zu tippen, an der Angst, etwas falsch zu formulieren, oder einfach daran, dass es Väter sind. Neben dem „Daumen nach oben“ kann die Spezies der Väter auch kurze Antworten wie „Oke“, „Passt“, „Wia spot?“ liefern. Leider muss man sich auch häufig ohne Antwort zufriedengeben, dann muss man eben anrufen oder „wia frier“ von Mensch zu Mensch reden.

Junge Männer

Die Anpassungsfähigkeit wird hier getestet, denn will man gut ankommen, schreibt man den Mamas und Omas in Hochdeutsch und mit vielen Emojis, den Tatas schickt man keine allzu langen Texte und mit jungen Frauen textet man nett und mit Respekt, aber ohne viel Tamtam. Untereinander hingegen schreibt man so, dass nur man selbst und der Freund irgendetwas verstehen. Gut, ehrlicherweise schreiben junge Männer die meiste Zeit sowieso in irgendwelche Gruppenchats, deshalb nehmen wir mal beide Situationen zusammen. Beleidigungen, Fluchwörter, bodenlose Abkürzungen und übertriebener Dialekt gehören zum guten Ton. Nicht umsonst sagt man, dass bei einer Veröffentlichung solcher Chats das Gefängnis wartet.

Junge Frauen

In diesem Fall hängt es schon sehr stark vom Typ ab. Es gibt einige, die den langen Schreibstil mit etwas zu vielen Emojis von den Müttern übernommen haben. Andere texten eher im modernen kurzen Stil mit vielen Abkürzungen und englischen Wörtern. Die WhatsApp-Nachrichten bei jungen Frauen verändern sich auch stark. Es fällt auf, dass vor einigen Jahren Abkürzungen wie bff, hdl, lol oder ähnliches noch cool waren, während die Teenager sich heute mit englischen Wörtern wie cute oder slay ausdrücken.

At the end it doesn't even matter

Es bleibt zu erwähnen, dass keines dieser Stereotypen immer stimmt, doch immer wieder denkt man an sie und findet in ihnen einen gewissen Sinn. Am Ende ist es egal, wie uns unsere Liebsten schreiben, meistens meinen sie es eh nur gut mit uns.

Eine Sache liegt uns dann doch am Herzen: Schreibt doch als Begrüßung statt „hallo“ oder „hoi“ lieber einfach „HOJ“. Es schaut so viel besser aus!