Markus Bergmeister

#13 mit Markusxplained

Markus ist auf Instagram für genau die Geschichten bekannt, die man über Südtirol eigentlich längst wissen müsste – aber irgendwie trotzdem noch nie gehört hat. Und jedes Mal, wenn sein Gesicht auf der FYP auftaucht, endet es meistens mit demselben Gedanken: „Das hab ich nicht gewusst.“

Ob Dialekt, Geschichte, Berge, Traditionen oder komplett unerwartetes Südtirol-Wissen – Markus gräbt genau die Dinge aus, bei denen man plötzlich merkt, wie wenig man über die eigene Heimat eigentlich weiß. Kein Wunder also, dass ihm mittlerweile rund 17.000 Menschen folgen. Grund genug für uns, bei Schnabel auf einmal genauer nachzufragen: Woher weiß der Typ das alles eigentlich?

Wie ist die Idee zu Markusxplained entstanden?

Irgendwann hat es mich gelangweilt, nur Videos über das Tätowieren zu machen. Auf der anderen Seite habe ich bemerkt, dass sehr viel Südtirol-Content nur aus Comedy besteht und immer nur Klischees über Südtirol bedient. Ich wollte zeigen, dass Südtirol viel mehr ist als Speck, Berge und „Knödel nicht mit dem Messer schneiden“. Viel mehr …

Woher nimmst du dein ganzes Wissen? Viel Recherche oder laberst du manchmal einfach so überzeugend Blödsinn, dass es niemand merkt?

Ich kann schon ziemlich überzeugend Blödsinn erzählen, aber tatsächlich steckt manchmal einiges an Recherche dahinter. Ich starte oft mit etwas, das ich irgendwo gehört habe oder das mir meine Kunden erzählen. Dann versuche ich, irgendetwas Spannendes an dieser Geschichte herauszufinden. Natürlich nutze ich auch KI als Werkzeug, um Quellen und Zusammenhänge schneller zu finden. Aber wenn ich mich nur auf KI verlassen würde, hätte ich tatsächlich schon viel Blödsinn erzählt.

Wie suchst du dir deine Themen aus?

Meistens müssen sie bei mir selbst irgendeine Frage auslösen. Wenn ich denke: „Moment, warum ist das eigentlich so?“, ist das meistens schon ein gutes Thema. Viel kommt mittlerweile auch aus Kommentaren und Nachrichten von Leuten. Mein Themenfeld ist dabei ziemlich breit: Südtirol, Geschichte, Dialekt, Berge, Traditionen, seltsame Gesetze und vergessene Geschichten. Im Grunde alles, bei dem man nach dem Video sagen kann: „Das habe ich nicht gewusst.“

Was interessiert dich persönlich mehr: sinnvolles Wissen oder komplett unnützes Trivialwissen?

Mich interessiert vor allem das Wissen hinter dem offensichtlichen Wissen. Jeder kennt beispielsweise die Dolomiten und denkt nicht weiter darüber nach. Aber der Name ist eigentlich gar nicht so alt. Sie heißen indirekt nach dem französischen Forscher Déodat de Dolomieu, der das besondere Gestein untersuchte. Genau solche Geschichten finde ich spannend.

Wie viel Recherche steckt normalerweise in einem Video?

Ich kann das schwer in einen Zeitrahmen fassen. Ich schreibe auch niemals ein Skript oder Ähnliches, das ich dann ablese. Ich versuche einfach, die wichtigsten belegten Fakten herauszufinden. Dann setze ich mich vor die Kamera, drücke auf Aufnahme und vertraue darauf, dass mein Mund schon irgendwie das Richtige sagt. Das wirkt dann auch am authentischsten, und oft bin ich selbst überrascht.

Gab es schon einmal ein Video, bei dem du im Nachhinein gemerkt hast: „Ups, das war vielleicht doch nicht ganz richtig“?

Tatsächlich liegt dieses Fettnäpfchen noch irgendwo vor mir. Es wartet. Und ich werde hineintreten. Das ist vorherbestimmt.

Welches Thema hat dich bei der Recherche selbst am meisten überrascht?

Mich überraschen eigentlich ständig Kleinigkeiten. Oft recherchiere ich Themen, die mir anfangs eigentlich vollkommen klar erscheinen. Aber dann erkenne ich, dass die Geschichte unter der Oberfläche noch ganz andere Seiten hat. Mir war zum Beispiel immer klar, dass Katharina Lanz aus Enneberg die Heldin der Schlacht von Spinges war. Aber im Grunde weiß man das gar nicht so sicher. Sie wurde erst durch Vermutungen dazu gemacht. Wer es wirklich war, kann man nicht mit Sicherheit sagen.

Wie lange hat es gedauert, bis deine Videos wirklich Aufmerksamkeit bekommen haben?

Das Überraschende ist, dass die Aufmerksamkeit bereits ab dem ersten Video sehr hoch war. Ich kann selbst nicht genau sagen, woran es gelegen hat. Vielleicht haben die Menschen gleich gemerkt, dass es hier nicht um mich als Mensch geht, sondern dass ihre Heimat oder ihr Urlaubsort Südtirol im Vordergrund steht. Ich will absolut kein „Influencer“ sein.

Erinnerst du dich an den Moment, an dem du gemerkt hast: „Okay, das schauen sich jetzt wirklich viele Leute an“?

Ich glaube, das versucht man irgendwie zu verdrängen. Aber auch wenn irgendein Creator vielleicht nur 300 Follower hat, die seine Videos regelmäßig schauen, ist das eigentlich schon viel, wenn man darüber nachdenkt. Ich respektiere jeden, der sich vor die Kamera setzt und der Welt einen Mehrwert bietet, egal wie klein oder groß seine Reichweite ist.

Wie hast du darauf reagiert? Freude, Druck oder direkt Panik, weil das nächste Video auch wieder funktionieren musste?

Dass daraus ein kleiner Erwartungsdruck entsteht, kann ich nicht leugnen. Aber Südtirol hat so viele interessante und unerzählte Geschichten, dass mir der Stoff zum Glück noch lange nicht ausgeht. Manchmal muss ich mich zwingen, gewisse Videos nicht zu machen, obwohl ich mir sicher bin, dass sie eine große Reichweite erzielen würden. Aber ich halte mich klar an meine Content-Richtung: nur Content über Südtirol, keine Politik, keine Comedy und keine Videos, in denen ich andere Creator schlechtmache.

Gibt es ein Südtirol-Thema, bei dem deiner Meinung nach besonders viel Halbwissen herumkursiert?

Wir sagen immer, wir reden „Südtirolerisch“. Aber den einen Südtiroler Dialekt gibt es gar nicht. Wir sprechen überwiegend südbairische Dialekte – und die unterscheiden sich teilweise von Tal zu Tal und sogar von Dorf zu Dorf.

Welcher komplett unnütze Südtirol-Fakt sollte eigentlich jeder kennen?

Dass in Glurns vor rund 500 Jahren Feldmäuse vor Gericht landeten und verurteilt wurden. Das ist für deinen Alltag vollkommen wertlos – aber genau deshalb sollte man es wissen.

Für alle, die dich nur aus den Videos kennen: Wo findet man eigentlich deine Tätowierkunst?

Das ist eigentlich mein richtiger Beruf. Ich arbeite als Tätowierer in Südtirol und tätowiere hauptsächlich Black-and-Grey-Realismus. Markusxplained ist irgendwann aus einem Nebenprojekt entstanden, aber tagsüber sitze ich nach wie vor im Tattoostudio in Schabs. Meine Arbeiten findet man auf Instagram unter @markusbergmeister_tattooart oder auf www.markusbergmeister.com.

Gibt es mittlerweile Leute, die dich eher als Markusxplained als als Tätowierer erkennen?

Ja, und das ist für mich immer noch etwas absurd. Früher kannten mich die Leute hauptsächlich über meine Tattoos, mittlerweile passiert es immer öfter, dass jemand sagt: „Du bist doch der von den Videos, gell?“ Dabei sehe ich mich selbst immer noch zuerst als Tätowierer.

Und zum Abschluss: Gibt es überhaupt etwas, das Markusxplained nicht weiß?

Ich kann zum Beispiel bis heute die Abseitsregel beim Fußball nicht erklären. Aber im Ernst: Ich glaube, man kann erst wirklich etwas lernen, wenn man verstanden hat, wie wenig man eigentlich weiß. Und zum Glück weiß ich noch ziemlich wenig.

Danke an Markus für die Antworten! Er ist wohl einer der wenigen auf Social Media, bei denen man sich nicht nur gut unterhalten lassen, sondern nebenbei tatsächlich noch etwas lernen kann. Eine Kombination, die auf der FYP bekanntlich nicht allzu häufig vorkommt.