Haben wir noch alle TAZZA im Schrank?

Wahnsinnsmatch auf der Lahn

Das dritte Heimspiel der neuen Serie-D-Saison begann schon vor dem Anpfiff mit ordentlich Energie. Dafür sorgte unter anderem der sportliche Leiter des FC Obermais, Christian Platzer, der die Mannschaft vermutlich energischer auf den Platz moderierte als so mancher italienische Stadionsprecher. Und auch auf den Rängen wurde schnell klargemacht, wer auf der Lahn zu Hause ist. Die Curva Sud war da – und laut.

Sportlich wartete mit Mestre allerdings ein ordentliches Brett. Die Mannschaft gehört mit ihrem erfahrenen Kader zu den ambitionierten Teams der Liga. Obermais hatte außerdem noch eine Rechnung offen: In der vergangenen Saison waren beide direkten Duelle an Mestre gegangen. Davon war den Hausherren zunächst wenig anzumerken.

Obermais geht voran

Obermais startete konzentriert und ließ in der ersten Halbzeit nur wenig zu. Dann war Kapitän Edoardo Ghiotti zur Stelle. Nach einem langen Einwurf nutzte er die Unsicherheit in der Mestre-Defensive und brachte den Ball per Kopf zur 1:0-Führung im Tor unter. Die Lahn war da.

Doch Mestre antwortete – und dafür brauchte es ausgerechnet einen Spieler, den man in Obermais noch bestens aus der vergangenen Saison kannte. Manuel Garavini, zuletzt noch für Vigasio auf dem Platz, kam von der Bank und benötigte gerade einmal wenige Minuten, um die Partie komplett auf den Kopf zu stellen. Erst der Ausgleich, kurz darauf das 2:1. Doppelpack Garavini. Plötzlich war die Stimmung auf der Lahn deutlich gedämpfter.

Drama bis zur letzten Sekunde

Doch wer Flavio Toccoli kennt, weiß: Verwalten und aufgeben sind nicht unbedingt seine größten Stärken. Also wurde angegriffen. In der Schlussphase stellte der Obermaiser Trainer immer offensiver auf und brachte mit Mair, Unterthurner und Larcher weitere Kräfte für die Offensive. Mittelfeld raus, Stürmer rein – Obermais wollte diesen Punkt unbedingt. Und tatsächlich wurde der Mut belohnt.

Nach einem Eckball herrschte Chaos im Strafraum von Mestre. Ausgerechnet Innenverteidiger Salvatore Tazza stand dort, wo normalerweise die Stürmer stehen sollten, und drückte den Ball zum 2:2 über die Linie. Die Lahn explodierte. Ein Punkt gegen Mestre, nach Rückstand zurückgekommen – das hätte eigentlich schon für genügend Drama gereicht. Eigentlich.

Dann kam Tenderini. Denn in der Nachspielzeit kam Garavini noch einmal in den Obermaiser Strafraum und wurde zu Fall gebracht. Der Schiedsrichter zeigte auf den Punkt. Elfmeter für Mestre. Und wer trat an? Nicola Valente. Einer, der in seiner Karriere über 300 Profispiele absolviert und unter anderem 42 Partien in der Serie B für Palermo bestritten hat. Auf der einen Seite also jede Menge Erfahrung. Auf der anderen Luca Tenderini. Valente läuft an, schießt – und Tenderini ist da. Der Obermaiser Schlussmann parierte den Elfmeter und rettete seiner Mannschaft damit in allerletzter Sekunde das 2:2. Spätestens jetzt gab es auf der Lahn kein Halten mehr.

Ein Punkt, ein Bier und ganz viel Lahn für ein Ende.

Am Ende stand ein 2:2 gegen ein Mestre, das mit zahlreichen erfahrenen Spielern und großen Ambitionen in diese Saison gegangen ist. Obermais hielt dagegen, kam nach einem Rückstand zurück und rettete sich mit einem gehaltenen Elfmeter durch die allerletzte Aktion des Spiels. Und weil so ein Nachmittag auf der Lahn offenbar noch nicht genug Geschichten geschrieben hatte, gab es danach noch eine.

Wer nach Abpfiff lange genug geblieben war, bekam von Matchwinner Luca Tenderini noch ein Bier spendiert. Vielleicht fasst genau das diesen Fußballplatz am besten zusammen. Vier Tore, ein gehaltener Elfmeter, eine bebende Curva und zum Abschluss ein Bier mit dem Torhüter. Sowas passiert wahrscheinlich wirklich nur auf der Lahn.




Bilder: Patrick Schwienbacher

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