Am Wochenende hörte man sie wieder überall: „Mindset.“ „Locked in.“ „Pain is temporary.“ Grund dafür war Arda Saatçi. Der Berliner Influencer und Gründer der Sportmarke Day One lief über 600 Kilometer quer durch Kalifornien – live auf Instagram. Mit Schweiß, Schmerzen, Halluzinationen und Motivationssprüchen im Sekundentakt. Ziel war ein neuer Rekord. Und natürlich musste das Ganze öffentlich passieren. Schließlich bringt Leiden heute erst dann wirklich etwas, wenn eine Kamera mitläuft. Das Internet liebte es. Je erschöpfter Saatçi aussah, desto größer wurde die Aufmerksamkeit. Kurz vor dem Ziel schauten über eine Million Menschen live zu. Spätestens da war klar: Das war nicht nur Sport. Das war Content.
Und genau hier wird es interessant. Denn offenbar reicht es heute schon, leidend in die Kamera zu schauen und „No excuses“ zu sagen, damit halb TikTok emotional zusammenbricht. Die Leistung bleibt stark – keine Frage. 600 Kilometer läuft man nicht einfach so. Trotzdem stellt sich eine unangenehme Frage: Muss man heute als Sportler wirklich noch der Beste sein? Oder reicht es inzwischen, sich einfach am besten zu vermarkten? Denn oft gewinnt nicht mehr der Rekord selbst – sondern die Story dahinter.
Bestes Beispiel dafür ist eigentlich jemand direkt aus Südtirol: Alex Schwazer. Über ihn kann man denken, was man will. Aber sportlich war er absolute Weltklasse: Olympiasieger, Weltrekordhalter und einer der besten Geher seiner Generation. Trotzdem spricht heute kaum jemand über seine sportlichen Leistungen. Aufmerksamkeit bekam er vor allem rund um den Dopingskandal und später durch die Netflix-Dokumentation. Und genau deshalb fragen wir uns: Wäre Alex Schwazer heute ein „größerer“ Sportler, wenn er besser darin gewesen wäre, sich selbst als Marke zu verkaufen?
Dasselbe sieht man auch anderswo. Jake Paul verkauft oft mehr Aufmerksamkeit als sportliche Höchstleistung. Seine Kämpfe leben von Provokation und Reichweite.
Denn seien wir ehrlich: Viele echte Ausnahmesportler würden diese ganzen Internet-Challenges wahrscheinlich locker schaffen. Der Unterschied ist nur: Manche filmen jede Sekunde davon – andere trainieren einfach weiter. Vielleicht leben wir inzwischen einfach in einer Zeit, in der nicht mehr der beste Sportler gewinnt, sondern derjenige, der sein Leiden am besten verkaufen kann.
Anmerkung des HOJ.CLUBS: Bild ist KI generiert!
Ist die Marke wichtiger als die Leistung?




















































































