Das Ganze beginnt verdammt früh. Teilweise haben schon Grundschulkinder ein Smartphone und damit Zugang zu einer Welt, die ihre Eltern in diesem Alter nicht kannten. Während man sich schnell Sorgen um Gewalt oder pornografische Inhalte macht, wird eine andere Frage gerne vergessen: Welches Weltbild bekommen Kinder und Jugendliche eigentlich täglich serviert? Denn Radikalisierung beginnt nicht unbedingt mit dem offensichtlich extremsten Video. Erst ein Meme, dann ein provokantes Reel und irgendwann der nächste "Influencer", der nebenbei erklärt, dass es "nichts schlimmeres gibt, als einen emotionalen Mann". Und wenn sich Influencer gegenseitig bestätigen, teilen und pushen, kann schnell der Eindruck entstehen: Wenn es so viele sagen, wird schon etwas dran sein. Genau deshalb sollte man dieses Thema ernst nehmen.
Wir wollen damit niemandem zusätzlich Bühne geben oder mit dem Finger auf einzelne Menschen zeigen. Aber solche Aussagen einfach unkommentiert stehen zu lassen, wäre genauso falsch. Reichweite macht eine Aussage schließlich nicht richtiger. Und ein sympathisches Gesicht macht sie nicht glaubwürdiger. Deshalb vielleicht einmal mehr selbst nachdenken, Quellen prüfen und nicht jedem blind vertrauen, nur weil er täglich in den Sozialen Medien auftaucht.
Politisches Interesse ist gut. Die eigene Meinung darf rechts, links oder irgendwo dazwischen liegen. Sie sollte nur eines sein: die eigene. Und nicht die, der Sozialen Medien.
Bild: Screenshot Kommentar vom IG Video: "Wann ist ein Mann ein Mann?" RaiSüdtirol