Beim männlichen Ego gibt es allerdings eine Sache, die wir besonders faszinierend finden: Woher nimmt es eigentlich dieses Selbstbewusstsein? Schauen wir uns doch einfach mal ganz oberflächlich um. Wirklich oberflächlich. Rein optisch.
Der weibliche Körper wird seit Ewigkeiten gemalt, fotografiert, modelliert und auf irgendwelche Plakate gepackt. Kurven, Hüften, Beine, Rücken – gefühlt kann eine Frau einfach nur dastehen und irgendein Künstler sagt: „Das ist Kunst.“ Beim Mann muss meistens erst einmal Licht von schräg oben kommen, der Bauch angespannt werden und irgendwo im Hintergrund ein Motorrad stehen.
Und das Interessante daran: Frauenkörper werden nicht nur von heterosexuellen Männern als ästhetisch wahrgenommen. Auch Frauen können andere Frauen wunderschön finden, ohne deshalb sexuell an ihnen interessiert zu sein. Genau da wird die Frage eigentlich spannend: Warum scheint uns der weibliche Körper so selbstverständlich als etwas „Schönes“? Natürlich ist das keine mathematische Wahrheit. Es gibt keinen TÜV, der irgendwann beschlossen hat: Frau 9,3 Punkte, Mann 6,1. Attraktivität ist subjektiv, kulturell geprägt und hängt natürlich auch von der sexuellen Orientierung ab.
Aber unsere gesamte Bildwelt behandelt die beiden Körper trotzdem erstaunlich unterschiedlich. Und genau deshalb wird das männliche Ego für uns wieder faszinierend. Denn während Frauen seit Jahrhunderten mit einem Körper herumlaufen, den Kunst, Werbung und Popkultur zum ästhetischen Ideal erhoben haben, steht irgendwo ein Mann mit drei Brusthaaren vor dem Spiegel, spannt kurz den Bizeps an und denkt: Passt. Kann raus. Vielleicht braucht es daher bei manchen das Ego zum Ausgleich?