Früher war der Führerschein der erste Schritt in die Freiheit. Heute ist er der erste Schritt in die Privatinsolvenz. Wer in Südtirol mit 18 hinters Steuer will, braucht mittlerweile mehr Geld als für so manches Auto. Kein Scherz: Der Fiat Panda unserer Mitarbeiterin des Monats Hannah war tatsächlich billiger als ein heutiger Führerschein.
Vor 20 Jahren gehörte der Führerschein noch ganz selbstverständlich zum Erwachsenwerden. 2017 kostete der Spaß durchschnittlich 840 Euro. Heute sind es rund 1.550 Euro. Satte 85 Prozent mehr. Und wehe, man braucht eine zusätzliche Fahrstunde: Die kann inzwischen bis zu 80 Euro kosten.
Doch nicht nur der Preis hat es in sich. Auch die Theorieprüfung scheint mittlerweile ein eigenes Studium vorauszusetzen. 2025 fiel in Südtirol fast jeder Zweite durch. 2016 waren es gerade einmal 18 Prozent. Besonders die teilweise doppelt und dreifach verneinten Fragen haben es in sich. Da wird nicht mehr nur geprüft, ob man die Verkehrsregeln versteht, sondern offenbar auch, ob man einen Doktortitel in deutscher Grammatik besitzt. Wer nach dreimaligem Lesen nicht mehr weiß, ob er jetzt anhalten darf, nicht anhalten darf oder nicht nicht anhalten darf, hat vermutlich schon verloren. Ob solche sprachlichen Verrenkungen tatsächlich jemanden zu einem besseren Autofahrer machen, darf bezweifelt werden.
Da stellt sich auch die Frage, wie viele der heutigen Autofahrer ihre eigene Theorieprüfung noch bestehen würden. Vermutlich würden einige, die seit zehn Jahren täglich durch Bozen hupen, heute nicht einmal mehr bis zur praktischen Prüfung kommen. Und wann bietet das Land eigentlich den ersten eigenen Studiengang für den Führerschein an? Bachelor in Verkehrszeichenkunde, Master im Kreisverkehr.
Eine weitere, natürlich völlig unbelegte Theorie aus unserer Redaktion: Steckt am Ende etwa Moritz Holzinger hinter dem Ganzen? Wer sich keinen Führerschein mehr leisten kann, fährt schließlich Zug. Zufall? Wir wollen ja niemandem etwas unterstellen, aber die Rechnung würde aufgehen.
Natürlich muss Autofahren gelernt sein. Aber gerade in Südtirol, wo der letzte Bus in manchen Dörfern gefühlt noch vor dem Abendessen fährt, ist der Führerschein oft weniger Luxus als Notwendigkeit.
Früher mussten die Eltern beim ersten Auto aushelfen. Heute schon beim Führerschein. Und wer Pech hat, kann sich danach nur noch das Busticket leisten. Moritz würde es vermutlich freuen.



































































































































